Blick auf Beuel und das Siebengebirge; Langzeitbelichtung (60s) mit den Strichspuren mehrerer Miniatur-Heißluftballons ("Himmelslaternen"), aufgenommen am 16.08.2008 um 23.43 MESZ am Alten Zoll. An den Strichspuren sieht man, dass sich die Ballons nicht gleichmäßig bewegen.
Mancher Blogeintrag ist voreilig ... das Interesse an der partiellen Mondfinsternis letzten Samstag war eben doch extrem groß, die Besucherzahlen auf Mondfinsternis.info etwa auf dem Niveau vom Februar. Aber es ging wohl erst so gegen 20:00 richtig los, als ich schon unterwegs war. Zum Glück saßen die Leute aber nicht nur vor dem Bildschirm, sondern gingen auch raus, um sich das Geschehen live anzuschauen. Das war diesmal auch fast überall möglich, denn zum ersten Mal seit 5 Jahren war der Himmel bei einer Mondfinsternis in fast ganz Mitteleuropa (weitgehend) wolkenfrei. Weitgehend - denn über großen Teilen des Gebietes lag eine dünne hohe Wolkenschicht, die das Spektakel etwas beeinträchtigte. Dennoch: die meisten MoFi-Fans werden wohl zufrieden gewesen sein. Unmengen von Fotos und Videos sprechen für sich. Ja, und es gibt sie noch: richtig gut geschriebene Beobachtungsberichte, folgen Sie doch einfach den
Linktips auf Mondfinsternis.info.
Schaut man in die internationalen Astronomie-Portale und in die internationale Presse, so wurde diese MoFi recht stiefmütterlich behandelt. Die Ursache ist schnell auszumachen: Die Finsternis war in den USA und Kanada nicht zu sehen. Umso erfreulicher jedoch die Berichterstattung der heimischen Presse, die sich richtig Mühe gab (
unsere Presseschau). Statt auf Agenturmeldungen zurückzugreifen, interviewte man lokale Amateurastronomen. In den Nachberichten setzte man die MoFi in Verbindung mit anderen Events, von denen es an einem Samstagabend natürlich genügend gibt.
Apropos Events: Sommer-Samstage sind die Zeit der Gartenfeste und Grillabende. So manche Geburtstags- und Hochzeitsfeier findet um diese Jahreszeit bei gutem Wetter im Freien statt. Und was wäre so eine Feier ohne Feuerwerk? Natürlich darf das eigentlich nicht ohne Genehmigung verwendet werden, weshalb es dann meistens beim Abbrennen einer einzelnen (ungenehmigten) Batterie bleibt. Seit letztem Jahr ist aber eine andere Art von Himmelszauber noch viel populärer: die asiatischen Himmelslaternen. Dabei handelt es sich um kleine Heißluftballons aus Reispapier, denen ein Brenner aus Wachs den notwendigen Auftrieb gibt. Solche Ballons sind schon seit vielen Jahren auf den Markt; in Deutschland hergestellt, waren sie jedoch ziemlich teuer und deshalb selten zu sehen. Nun gibt es Billigmodelle aus China, schon ab EUR 2,- das Stück, die entsprechend häufig und manchmal gleich flottenweise aufgelassen werden. Der Absatz soll so reißend sein, dass sie vielerorts ausverkauft sind.
Nun steigt so ein Ballon einige hundert Mete hoch und bleibt für etwa 5 Minuten da oben, bis der Brenner verbraucht ist. Was man aus der Entfernung sieht, ist ein rötliches flackerndes Licht, das durch den Brenner und dessen Widerschein im Ballon entsteht. Ganz nett anzusehen - oder aber auch geheimnisvoll bis bedrohlich, wenn man nicht weiß, worum es sich da handelt. Mit der Zahl der Himmelslaternen hat deshalb auch die Zahl der UFO-Meldungen exponentiell zugenommen - die Mannheimer
UFO-Meldestelle hat in den letzten 15 Monaten mehr
UFO-Meldungen erhalten, als davor in 30 Jahren. Erstaunlich: obwohl inzwischen überall in den Zeitungen über die Himmelslaternen berichtet wird (und über die von ihnen ausgehende Brandgefahr), melden sich jedes Wochenende noch immer zahllose Menschen, die so etwas noch nie gesehen und auch noch nichts darüber gelesen haben, manche Zeitgenossen sind ob der unheimlichen Flammen am Himmel geradezu verängstigt.
Am letzten Samstag haben wegen der MoFi natürlich noch mehr Menschen zum Himmel geschaut als an einem normalen Samstag - und noch mehr haben Himmelslaternen gesehen, und noch mehr haben sich an Zeitungen, Sternwarten oder die Mannheimer Meldestelle gewandt, um über unerklärliche Himmelserscheinungen zu berichten.
Ich selber habe während der MoFi einige Stunden auf dem "Alten Zoll", einem Aussichtspunkt am Bonner Rheinufer, verbracht, und ich muss sagen, es war gut was los am Himmel; hier die Bilanz von 21:00 - 00:00 Uhr:
- mindestens 3 Feuerwerksbatterien an unterschiedlichen Abbrennorten zu verschiedenen Zeiten
- 1 "Stilles Feuerwerk" (über 100 kleine Heliumballons mit angehängten Wunderkerzen) rund 100 Meter von unserem Beobachtungsort entfernt
- eine Himmelslaterne über der Bonner Innenstadt
- eine ganze Serie (mindestens 8 - 10 Stück) von Himmelslaternen über dem Ortsteil Beuel auf der anderen Rheinseite, verteilt über etwa 20 Minuten
- eine weitere Serie von Himmelslaternen auf der anderen Rheinseite, vor der Kulisse des Siebengebirges - das Bild oben zeigt die Flotte als Strichspuraufnahme
- Außerdem war noch ein Iridium-Flare der Helligkeit -6mag angekündigt, den wir aber nicht gesehen haben - auch diese plötzlich aufblitzenden Satelliten sind immer für UFO-Meldungen gut.
Und so bleibt als Fazit: es gibt manchmal mehr Dinge zwischen Himmel und Erde zu sehen, als man sich bei der Planung eines Beobachtungsabends erwartet.