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Die Gipfelstürmer < Y!-ID: gipfelstr... >

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Letzte Aktualisierung Di, 25. Dez. 2007 Mitglied seit Oktober 2006

Nur wer sich hoch hinaus wagt, ... kann auch tief fallen. Antworten

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Die Gipfelstürmer Vollansicht | Listenansicht

hier begibt man sich in eisige Höhen...

Gipfelsturm
Gipfelsturm Vergrößern

Unglaublich, aber Ende Oktober 2006 haben wir erstmals einen Blog ins Netz gestellt und nun, zwei Jahre später, packen wir noch immer monatlich unsere Rucksäcke, stoßen in Regionen vor, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat und stellen uns den Gefahren einer Welt, die hinter den Fenstern der Stammkneipe wahrlich abenteuerlich anmutet! Während ich zumindest in Gedanken der Seite einen frischen Anstrich verpasse und überlege, wie man einen Streifzug durch unsrere Expeditionen anders darstellen könnte, blicke ich mit einer Mischung aus Sentimalität und einer gewissen Genugtuung auf das Bisherige zurück. Die Gipfelstürmer sind tatsächlich fast auf den Tag genau seit zwei Jahren im Internet vertreten und haben auch nicht vor, daran etwas zu ändern. Wenn man so seine Gedanken schweifen und das eingerichtete Fotoalbum der Touren am ein odere anderen Auge Revue passieren lässt, fragt man sich zwangsläufig, wohin es uns noch treiben soll. Wir werden neue Wege finden, jedes Ereignis penibel dokumentieren und und die Seite mit Leben füllen!

Auf die vergangenen zwei Jahre wollen wir aber erst einmal das Glas erheben und jedem zuprosten, der sich auf diese Seite verirrt (zum Wohl, Chris!) hat!!!!!!!!!!!!!

Freitag, 31. Oktober 2008 - 18:38 Uhr (CET) Permanenter Link | 4 Kommentare
Werkstattbericht
Werkstattbericht Vergrößern

Normalerweise finden Neuerungen zum Jahreswechsel Beachtung und nicht bereits im Oktober. Nicht nur aus Zeitgründen, sondern auch aus eigenem Antrieb beseelt, möchte ich die Seite der Gipfelstürmer aktueller gestalten, da meine Tourenbeschreibungen ausarten und mir die Gelegenheit nehmen, auf soeben Erlebtes einzugehen. Unsere Expeditionen in ferne Regionen Deutschlands sollen natürlich weiterhin das Grundgerüst der Seite bilden, aber mir schwebt eine Symbiose der besten Fotos mit den eigentlichen Höhepunkten vor. In einem Blog sollen mehrere Bilder eingebettet werden,die sämtliche Positionen der Wanderungen dem Betrachter näher bringen. Darüber hinaus, wovon meine Mitstreiter bislang noch nichts wissen, wünsche ich mir ihre Einschätzung eines Marsches, verpackt in einem Zweizeiler.

Die Seite wird straffer, aktueller und informativer - ich freue mich auf die zukünftge Entwicklung!

Sonntag, 19. Oktober 2008 - 19:50 Uhr (CEST) Permanenter Link | 6 Kommentare
Der Geysir, 2. Teil
Der Geysir, 2. Teil Vergrößern

Mit Mary-Ellen und ‚Reicht doch’ an meiner Seite fühlte ich mich an diesem Tag allerdings vor den Teufeleien einer stählernen Maschinerie leidlich geschützt und räumte den hinter uns wartenden Menschen gute Chancen ein, ihre kostbare Freizeit nicht in einer Schlange gezwängt vergeuden zu müssen. Trotzdem trat ich einem Impuls folgend in den Hintergrund und beobachtete das Treiben meiner beiden Begleiter aus sicherer Entfernung, damit der Automat nicht auf den letzten Metern bis zum Ziel doch noch meine Schwingungen bemerkte und verrückt spielte. Warum immer mehr Discounter auf das technische Pfandsystem zurückgreifen, bleibt mir ein Rätsel, obwohl ich dem Fortschritt kein Bein stelle und Neuheiten generell offen gegenüberstehe. Auch ich erledige meine Bankgeschäfte mittlerweile vom Computer aus, bezahle größere Anschaffungen mit der Plastikkarte und hole Bargeld im Kreditinstitut meines Vertrauens am Blechkameraden. Aber einen Nutzen birgt meiner Meinung nach ein vollautomatisiertes Rücknahmegerät nicht, weder für die Kunden, die ihre Flaschen aufgrund der vielen Fehlerquellen im elektronischen Gehäuse unverrichteter Dinge wieder mit nach Hause schleppen müssen, noch für die Filiale, da stets ein Mitarbeiter in einer angrenzenden Lagerhalle auf seinen Einsatz zu lauern hat, wenn nämlich wieder ein Behältnis den Schacht verstopft. Manche Automaten verfügen sogar über einen knallroten Notschalter, der nach Betätigung einen Servicemann herbeieilen lässt, sofern der das ausgelöste Signal hört und nicht gerade seine Frühstückspause ausdehnt. Mary-Ellen und mein Bruder schlugen sich hingegen achtbar und fütterten den nimmersatten Schlund im Rekordtempo mit PET, das zerschreddert auf einem Containerschiff seine Reise nach Asien bewältigen würde, wo es als T-Shirt mit dem Aufdruck ‚Reine Baumwolle’ oder extrem giftigen Spielzeug für Kleinkinder ein zweites Leben geschenkt bekäme.

Auch die letzte Flasche verschwand ohne eine mittlere Katastrophe auszulösen in der röhrenförmigen Aussparung, und die Maschine spie als Gegenleistung einen Papierfetzen aus, der später an der Kasse den Preis unserer Waren reduzieren sollte. Die erste Heldentat war geschafft und nun galt es, den Proviant für das nächste Abenteuer auf dem Rheinsteig ohne Einkaufszettel mit traumwandlerischer Sicherheit aus den verschiedenen Regalen zu fischen. Also wechselten wir in das eigentliche Zentrum des Geschäftes und tauchten damit in eine andere, bunte Welt ein. Sonnenschein wurde von einer dezenten aber künstlichen Beleuchtung verdrängt und der Motorenlärm auf dem Parkplatz wich den musikalischen Klängen vom Endlosband, irgendwelche schmeichelnde Melodien, die ohne Bässe auskamen, damit bloß kein Herzschrittmacher seinen Dienst quittierte. Miniaturräder der Einkaufswagen über den gebohnerten Linoleumboden und der Duft von Obst und Gemüse stieg in die Nase. Auf einer Palette gestapelte Holzkohlesäcke erinnerten an die nahende Grillsaison, wozu eine Lautsprecherstimme küchenfertig eingelegte Tierkadaver anpries. Mein Speichelfluss geriet bei der Assoziation vom charakteristischen Raucharoma mit einer höllenscharfen Soße und einer eiskalten Flasche Bier außer Kontrolle, und ich versuchte krampfhaft, meine Aufmerksamkeit in andere Richtungen zu lenken. Zwar hatten neben den obligatorischen Müsliriegeln mittlerweile auch vielschichtigere Köstlichkeiten ihren Weg in unsere Rucksäcke gefunden, wie einzeln verpackte Mini-Salami und Laugenbrezel, doch gegen eine saftige Scheibe vom Schwein mutete die Verpflegung immer noch eher rustikal an.

Die Sherpas in Nepal können beim Gipfelsturm mit den Energielieferanten ihrer westlichen Kollegen wenig anfangen und bevorzugen nach wie vor das traditionelle Tsampa – eine Mischung aus geröstetem Gerstenmehl, Yak-Butter und schwarzem Tee, der aus bislang nicht erforschten Gründen die Strapazen der Alpinisten lindert und Glücksgefühle freisetzt, während sie in der erbärmlich dünnen Luft gegen die Ohnmacht ankämpfen. In Anbetracht, dass der trainierte Bergsteiger am Mount Everest am Tag der Tage, wenn er also seine Finger zum höchsten Punkt der Erde ausstreckt, durchschnittlich 15000 Kalorien verbrennt, dürfte Tsampa durchaus nahrhafter als ein paar mit Schokolade ummantelte Erdnüsse sein, die der Journalist Jon Krakauer im schicksalhaften Jahr 1996 am Everest hinunterwürgte, weil sein irritierter Magen-Darm-Trakt oberhalb der Todeszone fettreichere Lebensmittel verweigerte. Von diesem Problem berichten übrigens die meisten Alpinisten, die ihr spärliches Mahl pausenlos erbrechen oder über Stunden mit hinabgelassenen Hosen hinter einer Steinformation kauern, wobei der schneidende Wind ihnen die Kronjuwelen vereist. Seltsamerweise leidet Mary-Ellen während unserer Touren nie unter Essstörungen, denn sie kaut eigentlich immer. Keine elendig lange Strecke, keine Felswand kann ihr den Appetit verderben und ich glaube ernsthaft, dass sie selbst auf dem K2 ein ausgiebiges Picknick veranstalten und die geschundenen Mitstreiter um einen Nachtisch bitten würde. Vielleicht vergäße sie ein Seil, einen Klemmhaken oder einen Karabiner, aber niemals den Proviant! Es ist wirklich unfassbar, was sie meinem Bruder und mir auf einer einzigen Expedition so alles anbietet, davon könnte eine dreiköpfige Familie ganz bequem einen Monat bestreiten. ‚Möchte jemand einen Apfel, eine Banane, einen Klumpen Käse, das Schulterteil vom Ochsen, Fischstäbchen mit Petersilie garniert, Krustenbraten an Blaubeersorbet oder doch lieber eine Portion Pommes-Currywurst mit einem extra Klecks Mayo?’ Ich weiß ja nicht, wie viele Kilogramm sie jedes mal für Fressalien im Ranzen reserviert, aber es müssen etliche sein. Und wenn wir dankend ablehnen, kräuselt ein zufriedenes Lächeln ihre Lippen, zwischen denen dann sofort ein Happen verschwindet...

Fortsetzung folgt

Sonntag, 28. September 2008 - 16:17 Uhr (CEST) Permanenter Link | 2 Kommentare
Der Geysir, 1. Teil
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Wir lieben Lebensmittel! So zumindest verlautet der Werbeslogan einer weitgefächerten Lebensmittelkette, die bis vor wenigen Jahren noch durch überschaubare Verkaufsflächen bei mir punktete. Ich wusste, wo sich welcher Artikel in den Regalen verbarg und musste nicht die Hilfe eines genervten Angestellten in Anspruch nehmen, der mich an Tiefkühlpizzen und Haushaltsreinigern vorbei zum Ausgang geleitete, den ich einfach nicht finden konnte. Mittlerweile protzen die neuen Filialen mit dem üblichen Gigantismus der Konkurrenz und setzen gezielt auf modernes Design und warme Lichteffekte, die den Kunden umschmeicheln, der schnell die antrainierte Zurückhaltung vergisst und mal hierhin, mal dorthin greift. Warum erzähle ich das nun? Nicht etwa, weil wir unsere nächste Tour im Discounter bestritten, obwohl die Ganglabyrinthe geeignet erscheinen und mich generell an den Rand der psychischen Belastbarkeit drängen. Ich schätze es sehr, wenn wieder jemand seinen Einkaufswagen mitten in den Korridoren platziert, um mit einem Nachbarn oder entfernten Bekannten ein Schwätzchen zu halten, die sinnentleert daherkommen und meist die Gebrechen und Krankheiten zum Thema haben. Man kann sich den Gesprächsfetzen überhaupt nicht entziehen, sobald man auf ein vierrädriges Hindernis stößt, das es zu umschiffen gilt, und immer fühlt man sich an das Wartezimmer einer Arztpraxis erinnert. Rückenleiden links, Hüftschaden rechts und gelegentlich lockert eine Reduktion der Herz-Kranz-Gefäße das Gehörte auf. Einfach herrlich! Manchmal glaube ich, die Leute betreten einen Supermarkt nur zum Sterben.

Glücklich vor der Kasse angelangt rückt man im Gänsemarsch Zentimeter um Zentimeter vor und erreicht das Laufband, auf dem soeben eine siebenköpfige Familie ihren Monatsvorrat deponiert, während man selbst mit zwei Konservendosen in den Händen in Tränen ausbricht. Krumme Summen werden dann auf den Cent genau aus dem Portemounaie gefischt, bis plötzlich drei oder vier Münzen fehlen und die Schuldner den Preis mit ihrer Plastikkarte begleichen, wobei ihnen natürlich die Geheimzahl entfallen ist. Vor einiger Zeit berichtete die Dame vor mir in der Schlange der Kassiererin von der Magen-Darm-Verstimmung ihres kleinen Sohnes, den sie mit einem Arm am Körper gedrückt hielt und erörterte detailliert die Konsistenz und Häufigkeit der Ausscheidungen. Irgendwann wird dieser Junge zum Mann gereift mit einer Kettensäge durch die Fußgängerzone spazieren und wahllos Passanten niedermetzeln. In Talkshows diskutiert man später das Drama und wirft die Frage auf, wie es dazu kommen konnte – ich könnte das Geheimnis lüften!

Ich eröffne die Reiseschilderung von Rheinbrohl bis Neuwied auch nicht deswegen so unkonventionell, weil mir dazu keine passende Geschichte aus den Gehirnwindungen getröpfelt wäre, obwohl ich das Geschehene tatsächlich um ein Haar nicht zu Papier beziehungsweise auf den Monitor gebracht hätte, weil es aus meiner Sicht spektakulärere Expeditionen zu notieren gilt und viele Fotos aus welchen Gründen auch immer misslangen. Aber ich möchte die Chronologie unserer Reisen wahren und darüber schreiben, wie wir den Proviant für die Abenteuer organisieren, praktisch stellvertretend für all die Einkäufe zuvor, die Ähnlichkeiten aufwiesen und keine Erwähnung fanden. Außerdem ist es mir so möglich, das Bild von der ‚Main Street’ Schmachtendorfs einzubauen, ein pulsierender Strang und die Lebensader eines aufstrebenden Dorfes; ein funkelnder Diamant im Ruhrgebiet. Der Wagen oben gehört, sofern es von Interesse ist, unseren Nachbarn, die offenbar trotz der frühen Stunde den Weg zum nächsten Bäcker nicht scheuten. Die Sanierung der Hauptstraße wurde übrigens erst vor wenigen Wochen abgeschlossen und mit einem zünftigen Fest gebührend gefeiert, an dem ich leider nicht teilnehmen konnte und mich durch Mary-Ellen und meinen Bruder vertreten ließ.

An diesem 01.06.2007 pilotierte ‚Reicht doch’ das mobile Basislager der Marke Fiat durch die Gassen einer noch schlafenden Stadt und lenkte das Gefährt mit auf dem Asphalt quietschenden Reifen auf den großzügigen Parkplatz, den sich der Discounter mit ein paar anderen Geschäften teilte. Eine freie Lücke war schnell gefunden und das Abenteuer Supermarkt nahm Gestalt an, in dem wir mit einer leeren Bierkiste und diversen PVC-Flaschen beladen die linke Flanke des Flachbaus ansteuerten, wo ich den Pfandautomaten lauern wusste. Wenn ich alleine Besorgungen erledige, meide ich die Höllenmaschinen wie der Teufel das Weihwasser, weil die stählernen Servicestationen seltsamerweise allergisch auf mich reagieren. Das Bedienprinzip der Automaten mag ja schlicht gehalten sein und selbst Kindern keine Schwierigkeiten bereiten, doch sobald ich mich vor der Front aufbaue und eine Plastikflasche in den dafür vorgesehenen Schacht einführe, scannt das Gerät nicht etwa den Strichcode auf dem Etikett, sondern mich. ‚Ach, da ist der Depp ja wieder’, scheint der Eisenkübel mit einer gewissen Genugtuung und triefenden Spott in der Stimme zu frohlocken und zieht sämtliche Register der Gemeinheiten und Demütigungen, die sich eine vermeintlich seelenlose Materie ersinnen kann. Anfangs klingt alles noch erwartungsgemäß und nimmt mir die Furcht vor der Technik, wenn die Flasche geräuschvoll im Leib des Automaten rotiert und mich das Display betrachten lässt, sobald der Lärm verstummt. Doch statt einen Centwert anzuzeigen, beendet die Maschine die schöpferische Pause und beginnt das Prozedere von Neuem, während die Schlange wartender Menschen hinter mir um mehrere Individuen anschwillt. Es rappelt und scheuert in der Aussparung des Metallgehäuses und verhallt, startet wieder und bleibt aus, bis ich mich verunsichert zum Schacht hinabbeuge und den fatalen Fehler erst dann erkenne, wenn mir etwas aus der Dunkelheit entgegenschießt und das Jochbein zertrümmert...

Fortsetzung folgt

Montag, 15. September 2008 - 18:57 Uhr (CEST) Permanenter Link | 0 Kommentare
Varus, Arminius und wir, 13. und letzter Teil
Varus, Arminius und wir, 13. und letzter Teil Vergrößern

Bevor ich mich zu einer neckischen Bemerkung hinreißen lassen konnte, trat Tanja mit gezücktem Portemonnaie und Kassenbon an mich heran und versperrte so die Sicht auf den Nachbartisch. Ihr Anblick spülte jeglichen Spott und Häme aus meinen Gedanken und verleitete mich zu dem verwegensten Alpinistenlächeln, das ich jemals zustande brachte, während ich den geforderten Betrag von knapp zehn Euro aus der Börse kramte und ihr den Tag mit einem für meine Verhältnisse fürstlichem Trinkgeld versüßte. Mary-Ellen und ‚Reicht doch’ hatten sich derweil bereits von ihren Stühlen erhoben und die Rucksäcke umgeschnallt. Als ich es ihnen gleich tat und Brust- sowie Bauchgurt stramm am Leib fixierte, begutachteten meine beiden Begleiter die im Rheinsteigbuch abgedruckte Umgebungskarte und schienen mit dem, was sie dort sahen, recht unzufrieden. Ich gesellte mich zu ihnen und wollte den Grund für ihre Stimmungsschwankung erfahren, den sie mir anhand der blau eingezeichneten Linie, die den Rheinsteig darstellen sollte, verdeutlichten. Bisher folgte die Linie dem Flussufer wie eine zweite Haut, untrennbar mit dem Strom verwachsen, doch nun schlängelte sie sich links vom Rhein weg ins Binnenland, um erst kurz vor unserem Etappenziel Rheinbrohl wieder auf den Strom zu stoßen. Damit beanspruchte der Pfad nicht nur etliche Kilometer mehr als ursprünglich gedacht, sondern geizte auch mit spektakulären Panoramen, weil wir lediglich die typische Waldatmosphäre zu Gesicht bekämen – und die eventuell für Stunden. Natürlich hat eine Wanderung durch dichtes Unterholz seinen Reiz, nabelt es einen doch komplett von der Zivilisation ab, bis man sich im wildesten Dschungel wähnt und die Trommeln der Kannibalen zu hören meint, die einen im Kräutersud auf kleiner Flamme zart garen möchten. Aber Bäume verschiedener Gattungen warten ebenso in der Hühnerheide auf mich, einmal ganz von den Menschenfleischverzehrern abgesehen; anders kann ich mir die dortige Abwesenheit von weiteren Spaziergängern nicht erklären – für solch ein Abenteuer muss ich nicht das Bundesland wechseln.

Außerdem vereitelt das Dickicht die Sicht auf die wahre Schönheit der Region, womit ich jetzt nicht nur die Bedienung vom Schloss Arenfels meine, sondern den träge dahinfließenden, von steilen Weinbergen eingebetteten Strom mit all seinen Mythen und Legenden. Es ist tatsächlich ein faszinierendes Gefühl, von einer Anhöhe aus die plastische Intensität des Rheintals auf sich einwirken zu lassen, als befände man sich in einer Zeitblase, die die Zeiger der Uhren anhält und Probleme in einem Vakuum isoliert. Von oben herab betrachtet man die am Wasser errichteten die Miniaturdörfer und erahnt das Singen der Zugräder auf den Gleisen, obwohl einen lediglich die absolute Stille umgarnt, wenn nicht gerade im Moment der größten Zufriedenheit ein Tornadopilot den Schubregler seiner Maschine vielleicht einhundert Meter über einem bis zum bitteren Anschlag drückt und demonstriert, welch liebliche Melodie ein Triebwerk bei Mach 3 versprüht. Die Burschen fliegen in der Gegend wirklich ziemlich häufig in Formation über den Himmel und veranstalten ein Höllenspektakel, bis jedes Körpermolekül aus der Reihe tanzt und das Trommelfell um Gnade winselt. Wenn die Jungs dann noch mit einem satten Grinsen unter ihren Sauerstoffmasken enge Kurven beschreiben, haut es einen fast aus den Stiefeln, doch ich muss gestehen, dass ich ihre Manöver immer sehr gerne verfolge – zwar taub aber glücklich. Schnell kamen wir überein, die Schlaufe nicht zu laufen und bahnten uns stattdessen einen Weg durch die Rebstöcke, stets nur einen Steinwurf vom Ufer entfernt. Bald stießen wir auf eine Straße und latschten mit müden Gliedern über das Asphaltband, das sich offenbar im Nirgendwo verlieren wollte.

Die ersten Häuser werteten wir als ein gutes Omen und verharrten an einem Parkplatz im Schritt, auf dem noch recht kleinwüchsige Kinder motorisierte Karts durch einen mit Kunststoffkegeln kenntlich gemachten Parcours dirigierten. Einige der behelmten Rennfahrer steuerten ihre Vehikel mit traumwandlerischer Sicherheit über die Strecke und rissen voller Begeisterung beim Überqueren der Ziellinie die Arme nach oben, während ihre Kontrahenten sämtliche Hütchen vom Platz fegten und zum Dank die Lenkräder sowie ihre Trainer verdroschen. Ich selbst hockte nur ein einziges mal auf so einem Kart in einer Halle von Dinslaken, die wir mit dreizehn Leuten anmieteten und eine Stunde lang die Gaspedale malträtierten. Anfangs irritierte mich mein eigener Atem, den ich überlaut unter dem Helm hörte, was mich dazu veranlasste, jedem Mitstreiter vor Rennbeginn zuzuraunen: ‚Ich bin dein Vater, Luke’, was mir besorgte Blicke bescherte. Mit dem Startsignal mutierten Freunde zu erbitterten Feinden, die wie im Wahn jeden einzelnen Quadratzentimeter der Bahn vor schnelleren Kontrahenten verteidigten, während ich ihr Verhalten ein wenig misstrauisch beäugte und einen raffinierten Plan schmiedete. In einer Kurvenpassage bremsten nämlich alle anderen kurz ab, während ich nach der vierten Runde Stein und Bein schwor, die Schikane mit Vollgas attackieren zu können. Ich raffte also all meinen Mut zusammen, hielt die Luft an und rauschte mit schweißnassen Händen auf das Nadelöhr zu. Dabei überholte ich einen Kollegen, der erschrocken auswich und beobachten durfte, wie meine Seifenkiste von einem Abweiser ins Schlingern geraten frontal in einen Reifenstapel krachte. Zwei freundliche Streckenposten waren etwa fünf Minuten damit beschäftigt, mich und mein Geschoss aus der misslichen Lage zu befreien, und falls man es noch nicht erahnt hat: Ich wurde nicht der Sieger, sondern beendete mit meinem waidwunden Gefährt und Sternchen vor den Augen den Krieg auf vier Rädern mit der sprichwörtlichen roten Laterne.

Was bleibt zu der Tour auf dem Rheinsteig im April 2007 noch zu sagen? Eigentlich nur, dass wir wegen dem obigen Foto, das ich unbedingt knipsen wollte, den Zug nach Linz verpassten und eine geschlagene Stunde auf den Nächsten warten mussten. Servus Varus und Arminius, bis bald...

Montag, 25. August 2008 - 19:51 Uhr (CEST) Permanenter Link | 5 Kommentare

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